Über die Studie

Deutschland und China sind traditionell wichtige Partner in den Bereichen Wirtschaft und Politik. Dieses wurde auch im Rahmen der zweiten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen im August 2012 betont. Chinesische Unternehmen werden zunehmend in Deutschland aktiv und investieren entsprechend immer häufiger vor Ort. Gleichzeitig bestehen aber in dieser Partnerschaft noch verschiedene Fragen, Vorstellungen, Vorbehalte und Erwartungshaltungen.

Im Mittelpunkt der von TNS Infratest durchgeführten Studie stehen daher auf Basis von aktuellen Befragungsergebnissen die persönliche Wahrnehmung der deutschen Bevölkerung, deutscher Wirtschaftsentscheider und Politiker gegenüber China sowie der chinesischen Bevölkerung gegenüber Deutschland. Dieses ambivalente Bild wird anhand von Fakten und statistischen Kennzahlen in einen Gesamtkontext gestellt.

Huawei Technologies möchte mit dieser Studie einen Beitrag zum gegenseitigen Kennenlernen der Kulturen sowie zu einer Versachlichung und Intensivierung der deutsch-chinesischen Beziehungen leisten.

Management Summary

China hat in den letzten 30 Jahren einen atemberaubenden Aufstieg und Wandel vollzogen und ist dadurch nicht nur auf politischer, sondern vor allem auch auf wirtschaftlicher Ebene ein wichtiger Akteur in der globalisierten Welt geworden. Auch für Deutschland spielt China eine immer wichtigere Rolle. Daran anlehnend wird in der vorliegenden Publikation empirisch untersucht, wie China vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen von den Deutschen in verschiedenen Bereichen wahrgenommen wird und umgekehrt wie die Chinesen Deutschland wahrnehmen. Darüber hinaus fokussiert die Studie auf die Wahrnehmung Chinas als Wirtschaftsmacht und geht der Frage nach, was die Deutschen damit verbinden. Dabei werden den im Rahmen der Befragung ermittelten Assoziationen und Einschätzungen offizielle Zahlen und Statistiken gegenübergestellt.

Zunehmender Austausch – geringe Kenntnis

Das Interesse an China und der Austausch zwischen Deutschland und China haben in den letzten Jahren stark zugenommen, sowohl in der Bevölkerung als auch vor allem in Wirtschaft und Politik, wie auch die Ergebnisse der Studie zeigen: Etwa jeder zehnte Deutsche und über ein Drittel der befragten Wirtschaftsentscheider und Politiker waren bereits in China. Die Mehrheit der Wirtschaftsentscheider arbeitet in Unternehmen, die bereits Geschäftsbeziehungen zu chinesischen Unternehmen pflegen (50 Prozent) bzw. planen, solche aufzubauen (28 Prozent). Trotz dieses engen Austausches schätzt nur ein sehr geringer Teil der Deutschen die eigenen Kenntnisse zu China als gut oder sehr gut ein. Vornehmlich sind dies Personen, die bereits in China waren. Chinesen waren viel seltener in Deutschland, schätzen ihren Kenntnisstand im Hinblick auf Deutschland jedoch etwas besser ein.

Das Chinabild der Deutschen ist sehr vielfältig – und wird vom Thema Wirtschaft dominiert

Die Deutschen verbinden mit China eine große Bandbreite an positiven wie auch negativen Assoziationen. Dementsprechend stellt sich das Chinabild der Deutschen als vielfältig und ambivalent dar. Dabei wird deutlich, dass China in Deutschland vor allem als starke Wirtschaftsnation präsent ist. Allerdings sind die Deutschen unentschlossen, ob die wirtschaftliche Stärke Chinas eher von Vorteil oder von Nachteil für Deutschland ist. Dagegen ist die Einschätzung der Deutschen in anderen Bereichen deutlich klarer. So wird Chinas Politik eher negativ wahrgenommen und die chinesische Kunst und Kultur ist überwiegend positiv besetzt. Das Deutschlandbild der Chinesen ist hingegen eindeutiger. Die Wahrnehmung Deutschlands ist insgesamt sehr positiv und ebenfalls sehr stark von wirtschaftlichen Aspekten geprägt.

China polarisiert und erscheint vielen Deutschen widersprüchlich

In Bezug auf das politische System erscheint China den Deutschen widersprüchlich: Viele Befragte stufen das Land gleichermaßen als sozialistisch und kapitalistisch ein. Im internationalen Vergleich sehen die Deutschen China unter den führenden Nationen im Bereich Wirtschaft und Militär und als sehr gut positioniert im Bereich Nachwuchsförderung und Bildung. Die Bevölkerung wird zudem als sehr leistungsorientiert, fleißig und diszipliniert eingestuft. Im Hinblick auf die Themen Klimaschutz und Achtung von Menschenrechten wird China jedoch sehr kritisch betrachtet und von den meisten Befragten global im unteren Drittel oder gar an letzter Stelle verortet.

Mediale Berichterstattung zu China eher negativ geprägt

Das Chinabild der Deutschen fußt nicht nur auf eigenen Erfahrungen, die sie mit China, Chinesen oder chinesischen Produkten und Unternehmen gemacht haben, sondern wird maßgeblich von der medialen Berichterstattung über das Land geprägt. Diese ist sowohl aus Sicht der Befragten als auch gemäß objektiven Ergebnissen einer Medienanalyse eher negativ geprägt. Insgesamt wird in Deutschland in der Presse etwa zehnmal so häufig über China berichtet wie umgekehrt in vergleichbaren chinesischen Publikationen über Deutschland. Die mit Abstand meisten Artikel behandeln das Thema Wirtschaft bzw. China als Wirtschaftsmacht, an zweiter Stelle folgt das Thema Menschenrechte.

Die Reputation Chinas ist niedrig im Vergleich zu der von Deutschland

Während Deutschland in China eine sehr hohe Reputation besitzt, bewegt sich der Reputationsindex Chinas sowohl in der deutschen Bevölkerung als auch bei Wirtschaftsentscheidern und Politikern auf einem relativ niedrigen Niveau. Betrachtet man die für den Reputationsindex herangezogenen fünf Bewertungsdimensionen, verzeichnet China bei den rationalen Komponenten („Einfluss in der Welt“ und „Innovationskraft“) hohe Werte, während die Bewertung der Deutschen auf der emotionalen Achse („Sympathie“ und „Vertrauenswürdigkeit“) sehr zurückhaltend ausfällt. Bei der allgemeinen Beurteilung zum „Guten Ruf“ ist auffällig, dass mehr als die Hälfte der Befragten unentschlossen ist und China in Bezug auf diese Eigenschaft somit weder positiv noch negativ einstuft.

Die Wirtschaftsmacht Chinas wird als Bedrohung und Bereicherung gesehen

Die unentschlossene Haltung der Deutschen gegenüber der chinesischen Wirtschaft spiegelt sich am deutlichsten in der Frage wider, ob China eher als Bedrohung oder als Bereicherung für die deutsche Wirtschaft gesehen wird, wobei die Wahrnehmung als Bedrohung überwiegt. So wird China aufgrund seiner starken wirtschaftlichen Position sowie der hohen Wachstumsdynamik in vielen Bereichen als starke Konkurrenz und Bedrohung für den „Standort Deutschland“ wahrgenommen. Dies wird durch die zumeist günstigeren Preise chinesischer Produkte, aber auch durch die zunehmende Innovationskraft Chinas verstärkt. Auf der anderen Seite werden in der Stärke von Chinas Wirtschaft auch viele Chancen für Deutschland gesehen: Mit den chinesischen Investitionen fließt frisches Kapital in deutsche Unternehmen und Arbeitsplätze werden gestützt. Deutschland kann von den günstigen Produktionsbedingungen in China profitieren und seine Wettbewerbsfähigkeit dadurch in vielen Bereichen sicherstellen. Schließlich ist China mit 1,3 Milliarden Einwohnern ein riesiger Absatzmarkt, der durch die zunehmende Kaufkraft der einheimischen Bevölkerung weiteres Entwicklungspotenzial bietet.

China – Entwicklung von der verlängerten Werkbank zunehmend zum Innovationsführer

China gilt seit Jahren als verlängerte Werkbank des Westens und ist in vielen Köpfen als guter Produktionsstandort verankert. Aber auch damit einhergehende negative Aspekte wie schlechte Arbeitsbedingungen, mindere Qualität sowie das Kopieren westlicher Produkte werden damit verbunden. Doch China gewinnt gleichzeitig als Innovationsstandort immer mehr an Bedeutung. Dies findet sich auch in der Wahrnehmung der Befragten wieder. Besonders auffällig ist hierbei, dass die meisten davon ausgehen, dass sich China im Bereich technologische Innovationskraft weiter steigern wird. So hat sich China in den letzten Jahren zu einem relevanten Player bei der Anmeldung von Schutzrechten entwickelt.

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